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Kinderhaus Tharandt: Warum wir gern mehr sagen würden

· 5 Min. Lesezeit · Kitas & Schulen, Stadtrat, Tharandt · Freie Wählergemeinschaft Tharandt

Das Kinderhaus Tharandt im Herbst, davor sein großes Außengelände mit alten Bäumen

Am 12. November 2026 berät der Stadtrat in einer Klausur über das Kinderhaus. In der öffentlichen Beschlusskontrolle steht dazu das Wort „Entscheidung“. Das ist aber irreführend, wie im Stadtrat am 8. Oktober selbst festgehalten wurde: Es geht darum, „welchen nächsten Arbeitsschritt die Stadtverwaltung angehen soll“. Ein Beschluss steht nicht an.

Über das Kinderhaus reden viele in Tharandt. Wir würden gern mehr dazu sagen, dürfen es aber nicht. Wir können Ihnen zeigen, was öffentlich bekannt ist, und warum wir bedauern, dass es so wenig ist.

So lange läuft das schon

2020 bis 2021: Die Mängel sind bekannt

  • 1998 erteilt die Bauaufsicht die Betriebserlaubnis für die Kita in der Heinrich-Cotta-Straße 15.
  • 2020 entsteht ein Brandschutzgutachten, 2021 folgt die Bewertung durch ein Sachverständigenbüro: akuter Handlungsbedarf.
  • Am 1. Februar 2021 wird das Dachgeschoss gesperrt. Im Juli 2021 befassen sich Verwaltungs- und Technischer Ausschuss damit.

2023 bis Juni 2024: Die öffentliche Debatte

  • Ab Juni 2023 berät der Technische Ausschuss mehrfach, ab Februar 2024 auch der Stadtrat.
  • Im Mai 2024 setzt sich unser Stadtrat Ulrich Pietzarka dafür ein, die Klausur zum Kinderhaus öffentlich durchzuführen, „da es ein wichtiges Thema in der Stadt ist“.
  • Am 30. Mai 2024 findet die öffentliche Sitzung im Judeichbau statt, mit Förderverein, Elternrat, Einrichtungsleitungen und Einwohnern. Der Vertreter des Elternrates bedankt sich ausdrücklich dafür, dass sie öffentlich stattfindet.
  • Am 13. Juni 2024 beschließt der Stadtrat mit 9 Ja-Stimmen, 5 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung, die Verwaltung zu beauftragen, „alle notwendigen Schritte zur Sanierung des Kinderhauses (…) zum Zwecke der Fortführung als Kindertagesstätte einzuleiten“.

Herbst 2024: Die Schließung

  • Am 14. November 2024 heißt es im Stadtrat: „Der weitere Betrieb scheint fraglich.“
  • Am 19. November 2024 fordert die untere Bauaufsichtsbehörde, den Betrieb unverzüglich einzustellen. Am 26. November informiert der Bürgermeister die Räte.
  • Ende 2024 geht das Kinderhaus außer Betrieb.

2025 bis heute: Nur noch Nachfragen

  • Im März 2025 heißt es auf Nachfrage, das Bauamt untersuche mit einem Architekturbüro, „ob bzw. wie der gefasste Stadtratsbeschluss umgesetzt werden kann“.
  • Im September 2025 liegt laut Auskunft eine bautechnische Beurteilung vor, die noch ausgewertet wird. Im November 2025 wird erneut nachgefragt.
  • Im März und April 2026 nennt die Beschlusskontrolle, dass die Ergebnisse dem Stadtrat vorgestellt und erörtert wurden. In den öffentlichen Tagesordnungen dieser Sitzungen steht dazu kein eigener Punkt.
  • Im Mai 2026 lehnt der Stadtrat mit 3 zu 10 Stimmen ab, die Sachsenfonds-Mittel für ein größeres Vorhaben anzusammeln. Das Kinderhaus war in der Debatte als ein mögliches Beispiel genannt worden.
  • Im September 2026 wird auf eine erneute Nachfrage hin eine Klausur angeregt, die nun am 12. November stattfindet.

Das sind rund sechs Jahre seit dem Gutachten, 29 Monate seit dem Beschluss und fast zwei Jahre, seit das Haus leer steht. Der Beschluss vom 13. Juni 2024 steht weiter in der Beschlusskontrolle.

Was wir bedauern

Seit dem 13. Juni 2024 hat es in mehr als 20 öffentlichen Stadtratssitzungen keinen eigenen öffentlichen Tagesordnungspunkt zum Kinderhaus mehr gegeben. Öffentlich erfahren Sie seither fast nur etwas, wenn jemand nachfragt.

Die Sächsische Gemeindeordnung sieht das anders vor. Nach § 37 sind Sitzungen öffentlich, sofern nicht „das öffentliche Wohl oder berechtigte Interessen Einzelner“ eine nichtöffentliche Verhandlung erfordern. Über nichtöffentlich Behandeltes sind wir als Stadträte zur Verschwiegenheit verpflichtet. Daran halten wir uns. Deshalb steht hier nichts aus nichtöffentlichen Beratungen, auch wenn wir das gern anders hätten.

Aus unserer Sicht gibt es eigentlich keinen Grund, dieses Thema nichtöffentlich zu beraten. Es geht um eine Kita, um ein städtisches Gebäude, um die Betreuung Ihrer Kinder und um das Geld der Stadt. 2024 hat das öffentlich gut funktioniert. Wir wünschen uns, dass die Zukunft des Kinderhauses wieder dort beraten wird, wo sie hingehört: in der Öffentlichkeit.

Was öffentlich an Zahlen bekannt ist

Die Plätze. Vor der Schließung umfasste das Kinderhaus laut der Präsentation der Stadt vom Mai 2024 79 Kita- und 8 Krippenplätze. Seither ist ein Teil der Betreuung in den Räumen an der Grundschule untergebracht. Die Betriebserlaubnis dafür läuft nach Auskunft im Stadtrat „vorerst bis Sommer 2027“. Was danach kommt, ist öffentlich nicht bekannt.

Der Bedarf. Die Präsentation nannte 2024 folgenden Bedarf laut Bedarfsplanung:

Bedarf 2024 2025 2026
Krippe 59 64 60
Kindergarten 140 138 133

Die Kosten, Stand Mai 2024. Die Stadt rechnete damals öffentlich mit rund 6,0 Millionen Euro für die Sanierung mit 70 Plätzen und rund 5,0 Millionen Euro für einen Neubau mit 119 Plätzen auf dem Bolzplatz, jeweils ohne Hort. Allein die Voruntersuchungen für eine Sanierung wurden mit 452.000 Euro brutto beziffert. Den Bolzplatz soll die Stadt inzwischen als Sportstätte weiterentwickeln. Die Zahlen sind über zwei Jahre alt.

Wer einen Platz bezahlt. So verteilen sich die Kosten je Platz und Monat laut der Bekanntmachung der Stadt für 2025:

2025, je Monat Krippe (9 Std.) Kindergarten (9 Std.) Hort (6 Std.)
Kosten je Platz 1.422,72 € 605,86 € 306,13 €
Freistaat 286,18 € (20 %) 286,18 € (47 %) 190,79 € (62 %)
Eltern 316,62 € (22 %) 172,08 € (28 %) 92,92 € (30 %)
Stadt 819,92 € (58 %) 147,60 € (24 %) 22,42 € (7 %)

Die Kasse. Der Höchstbetrag für Kassenkredite wurde befristet bis Ende 2026 von 2,1 auf 2,5 Millionen Euro erhöht, und der Doppelhaushalt 2027/2028 wird gerade aufgestellt. In der Investitionsliste vom September 2026 für die Jahre 2027 bis 2031 ist keine Sanierung des Kinderhauses aufgeführt.

Was ist Ihnen beim Kinderhaus wichtig? Schreiben Sie uns.

Quellen, alle öffentlich im Ratsinformationssystem: Beschlussvorlage 101/2024 und Präsentation zur Sitzung vom 30.05.2024, Niederschriften des Stadtrates vom 23.05.2024, 13.06.2024, 14.11.2024, 12.12.2024, 13.03.2025, 11.09.2025, 20.11.2025, 05.02.2026, 21.05.2026, 17.09.2026 und 08.10.2026, Beschlusskontrolle vom 10.11.2026, Bekanntmachung und Elternbeiträge vom 18.06.2026, Investitionsliste vom 17.09.2026, § 37 Sächsische Gemeindeordnung.

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